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Selbstoptimierungs- und IrgendwaHn

Nur noch die Homepage modernisieren, dann kann ich wieder raus gehen, vor Leuten stehen, Seminare geben. Nur noch schnell zum Coiffeur dann fühle ich mich schön. Nur noch schnell meine Mails checken dann bin ich wieder à jour. Nur noch schnell joggen gehen dann macht auch meine Figur mit ü40 noch eine Falle. Noch schnell dieses CAS dann starte ich endlich durch. Noch schnell all meine Zusammenfassungen lesen dann bin ich bereit. Bereit für was? Eine Prüfung zu bestehen? Mehr Geld zu verdienen?» Bereit zum glücklich sein? Bereit zum Erfolg? «Wie findet Dein Selbstoptimierungsprozess statt? Wo optimierst Du dich selber am meisten? Aussehen? Beruf? Familienleben? Freizeit? Partnerschaft?» Selbstoptimierung finde ich nichts schlimmes verstehe mich nicht falsch…ich liebe lebenslanges Lernen, ich verkaufe Seminare. Doch hat mein Selbstoptimierungswahn oft zu einem Irgendwahn geführt. Irgendwann werde ich so weit sein mich selbständig zu machen, irgendwann werde ich in der Lage sein für meine Träume zu leben. Irgendwann werde ich mehr Zeit für meine Kinder haben? Es vergehen Jahre, die Kinder sind längst aus dem Haus – irgendwann hätte ich Zeit für das was mich einmal gebraucht hätte und heute selbst dem Irgendwahn verfällt, komisch *zwinker* «Wir brauchen Kinder nicht zu erziehen, sie machen uns eh alles nach». Heute will ich lernen zu leben und zu sein mich selbst zu sein, mich zu zeigen, mich zu lieben und klar selbstoptimieren tue ich mich immer noch aber nicht mehr im Irgendwahn. Ich will dieses Seminar geben im Wissen, ich könnte noch 10 Jahre erforschen und in Büchern versinken, aber ich traue es mir zu weil es meine Kompetenz und Leidenschaft ist. Ganz wie es mein Vater zu pflegen gesagt hat. «Mach was du gerne machst, kannst du gut». Meine Selbstoptimierung stand mir im Weg mein Leben zu leben. Mein Selbstoptimierungswahn liess mich nie im Moment leben. Ehrlich, haben wir manchmal nicht alle das Gefühl irgendwann kommt das grosse Glück, für das wir durch den Dreck gingen, gelitten haben wie die Sau, irgendwann wird und das Leben bescheren mit allem was wir verdient haben. Dieses Irgendwann ist genau jetzt. Nach meinem Schlaganfall habe ich es endlich begriffen, Leben ist jetzt. Ich werde täglich vom schönsten Geschenk dieser Welt beglückt: Mutter Natur, mein Sohn, meine Hunde, meine Liebsten. Der Irgendwahn hat eine Ende – er ist genau jetzt. Ich habe in der Reha Menschen gesehen mit MS, Menschen die sich täglich motivieren aufzustehen um im Rollstuhl zu sitzen und versuchen am Rollator zu gehen. Ich habe ältere Menschen gesehen, deren Scham nur noch mit dem Rollator gehen zu können. Ich habe begriffen, sie alle lebten auch für den Irgenwahn vielleicht nach der Pensionierung habe ich Zeit zu reisen, die Welt zu entdecken. Irgendwann ist irgendwann zu spät. Das grosse Glück ist der Alltag, das selbstverständliche mit dankbaren Augen zu sehen. Gib mehr von dir in dein Leben, dann steht dir nichts mehr im Weg.


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